Christoph, 24 Jahre, Ausbildung als Berufsflugzeugführer kürzlich beendet

 

Traumberuf oder Notlösung?

Also Berufsflugzeugführer ist schon mein Traumberuf. Es war schon immer mein Traum. Als Kind habe ich schon früh Modellflugzeuge zusammengebastelt und mit 14 habe ich dann mit Segelfliegen anfangen können. Um diesen Traum zum Beruf werden zu lassen, muss man allerdings zunächst ein paar Enttäuschungen hinnehmen. Denn was die Berufschancen betrifft, die Wahrscheinlichkeit zur Lufthansa zu kommen, zum Beispiel, liegt nur bei etwa 5 Prozent. Da muss man dann auch für andere Perspektiven offen sein. 

 

Wie sieht dein Tag als Flugschüler aus?

Wir fliegen meistens im Team mit einem anderen Auszubildenden. Morgens treffen wir uns und planen dann erst mal ein bis zwei Stunden den Flug. Dann fliege ich zwei Stunden und bleibe auch meistens noch für die zwei Stunden meines Kollegen im Flugzeug. Danach gibt es noch ein Debriefing, bei dem wir die Flüge noch einmal mit dem Ausbilder durchsprechen und auf Fehler eingehen. 

 

Die größte Überraschung?

Das Tolle an diesem Beruf ist, dass man immer wieder schöne Überraschungen und Erlebnisse hat. Am schönsten war dann der Moment, als wir dann endlich in einen Boeing Simulator kamen oder die erste Alpenüberquerung mit dem Flugzeug machten. 

 

Deine Lieblingsaufgabe?

Am liebsten sind mir die schwierigen Aufgaben, die man nur im Team im Cockpit bewältigen kann. Wir stellen uns immer wieder neue Aufgaben und Ziele und freuen uns dann umso mehr, wenn wir uns gegenseitig danach auf die Schulter klopfen können. Denn Fliegen an sich ist nicht sehr schwierig und wir werden ja eher für die Extremsituationen ausgebildet. Schnelle Anflüge und saubere Landungen, ökonomisches Fliegen usw. sind auch in unserer Zielsetzung. 

 

Welche Kröten musst du schlucken?

Die Theorieteile waren schon immer unangenehm. Ich habe noch den alten Lernstoff lernen müssen, der leider nur wenig Bezug zur Praxis hat. Es hat dann aber trotzdem ganz gut geklappt. 

 

Ohne was geht es nicht?

Ohne einen festen Willen geht es wohl nicht. Es findet zwar jeder den Job am Anfang ganz toll, aber man muss schon wissen, worauf man sich da einlässt. Man ist schon während der Ausbildung dauernd unterwegs, was dann später im Beruf noch intensiver wird. Man lebt viel aus den Koffern sozusagen und auch in Beziehungen ist so etwas nicht immer ganz einfach.Ansonsten braucht man natürlich gute Englisch-, Mathe- und Physikkenntnisse. Man braucht zwar nicht unbedingt das Abi, aber besser ist es schon. Man muss außerdem bestimmte medizinische Zulassungstests bestehen, bei denen körperliche Mindestanforderungen wie z. B. Augenfunktion oder körperliche Verfassung zu erfüllen sind.

 

Wie viele Bewerbungen hast du geschrieben?

Um einen Platz als Flugschüler zu bekommen, habe ich keine Bewerbung geschrieben, denn man zahlt für diese Ausbildung. So muss man sich meistens einfach nur anmelden und wenn noch Platz in den Kursen ist, kann man sofort anfangen. Die gesamten Kosten betragen ungefähr 50.000 - 60.000 Euro. Es gibt Organisationen, die einem bei der Finanzierung helfen, aber man muss das Geld später zurückzahlen. Also sollte man sich die Berufswahl schon gut überlegen. Wichtig ist es auch, seinen Ausbildungsplatz, sprich die Flugschule, gut auszuwählen. So langsam geht nämlich auch ein Trend zu „Eliteschulen” von denen bevorzugt der Pilotenbedarf der Fluggesellschaften gedeckt wird. So eine ist z. B. die neue „Tochter-Flugschule” der Lufthansa. Bei der Flugschule Harter in Freiburg gefiel mir insbesondere das bisher einzigartige Konzept, dass weniger Stunden auf dem Einmotorsimulator geflogen werden müssen, man aber dafür doppelt so viele Stunden wie bei anderen Schulen am Boeingsimulator verbringt. Das macht mehr Spaß und steigert die Berufschancen natürlich enorm. 

 

Dein Bewerbungstipp?

Für die Flugschule muss man, wie gesagt, keine Bewerbung schreiben. Aber dafür muss man sich umso früher um Bewerbungen an die Fluggesellschaften kümmern, um reale Berufschancen zu haben. Zumal sich der Luftfahrtsektor erst langsam aus einer Krise nach dem 11. September 2001 erholt. Also habe ich da schon ein paar Tipps: Man sollte möglichst zügig seine Ausbildung durchziehen; viele zusätzliche Flugstunden sammeln, das kann man z. B. durch das Absetzen von Fallschirmspringern; erweiternde Praktika sind auch vorteilhaft, z. B. an einer Flugwerft oder im Tower bei der Flugleitung und wenn man an neuen Lernprojekten teilnimmt, wie z. B. hier in Freiburg. Es geht natürlich nichts über gute Beziehungen, die man sich erarbeiten kann. Die darf man nicht vergessen! 

 

Bald steinreich? Wie hoch ist der Monatsverdienst?

Also eher erst mal mäusearm! Die Ausbildung kostet ja Geld. Später verdient man normalerweise dann nicht schlecht. Aber auch da muss man mittlerweile aufpassen, da es auch unter Piloten viel Arbeitslosigkeit gibt und auch immer mehr Stellen mit einem sehr geringen Einstiegsgehalt entlohnt werden. 

 

Und nach der Ausbildung?

Lufthansa muss es bei mir gar nicht sein, denn wie es immer so schön heißt, die haben alle die „Lufthansabrille” auf, sprich die sind als ein bisschen arrogant verschrien. Ich möchte am liebsten zu Hapag-Lloyd; LTU ist auch ein sehr guter Arbeitgeber. Und mit den connections klappt's bisher ganz gut, also bin ich schon relativ zuversichtlich. Was die berufliche Weiterbildung betrifft, so habe ich jetzt schon als Verkehrsflugzeugführer den höchsten Grad ereicht. Man kann dann noch Fluglehrer werden oder zusätzliche Berechtigungen erwerben um z. B. Werbebanner zu schleppen. Hubschrauberpilot ist dann schon wieder was ganz anderes, auch wenn man sich ein paar Sachen anrechnen lassen kann. 

Steckbrief Berufsflugzeugführer/-in

Duale Ausbildung: Unterschiedlich, ca. 2 Jahre (kostenpflichtig)  

Tätigkeiten: Steuerung von Luftfahrzeugen  

Arbeitsorte: Berufsschule, Chartergesellschaften  

Perspektiven: zusätzliche Qualifikationen für Fluglehrer oder um Werbebanner schleppen zu dürfen. Für Militär und Hubschrauber müssen andere Flugscheine gemacht werden, wobei man sich etwas von dem Pilotenschein anrechnen lassen kann.   

Das solltest du mitbringen: Keine Flugangst, Gute Englisch-, Mathe- und Physikkenntnisse, Bereit sein aus Koffern zu leben und ungewöhnliche Arbeitszeiten zu haben  

Alternativen: Berufskraftfahrer/-in  

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de