Marion und Sonja, 2. Ausblidungsjahr als Chemielaborantin

Traumberuf oder Notlösung?

Es ist mein Traumberuf, weil mich Chemie schon immer interessiert hat und es hier im Betrieb einfach passt.  

 

Wie sieht euer Arbeitsalltag aus?

Morgens müssen Geräte überprüft und Probegläser gereinigt werden. Tagsüber bekommen wir Proben oder fertig abgefüllte Spritzen aus der Produktion, die schnellstmöglich überprüft werden müssen. Meistens sind das qualitative und quantitative Identitätsprüfungen, also ob das Richtige in der richtigen Menge drin ist. Das ist schon in etwa so, wie man sich typischerweise den Chemiker, in unserem Fall Chemielaboranten, mit Reagenzgläsern vorstellt. Wir fahren auch manchmal für ein Praktikum, wie das physikalisch-chemische oder das organische, zu anderen Ausbildungsstätten oder lernen zusammen auf Prüfungen.

Die größte Überraschung?

Dass die Dokumentation fast die Hälfte vom Arbeitstag ausmacht, wir machen viel Papier- und Computerarbeit.   

Eure Lieblingsaufgabe?

Das Aufbauen der Apparaturen macht mir am meisten Spaß. So, wie man sich das vorstellt, mit Kühler, Kolben und allem anderen, um danach die Präparate zu kochen. Also die richtig praktischen Dinge, bei denen man nachher sein Ergebnis sehen kann. Sehr interessant finde ich es auch, wenn man die Proben selber vor Ort in der Produktion ziehen kann und sie nicht ins Labor geliefert bekommt.  

Welche Kröten müsst ihr schlucken?

Bücher stempeln, Spritzen ausdrücken, Spülmaschine ausräumen und saubermachen. Das sind so typische Azubi-Jobs, die sonst keiner machen will. Spätdienst gibt es bei uns auch, zwar nicht als Azubis, aber hinterher einmal pro Woche. Da weiß man nie, wie lange es geht.  

Ohne was geht es nicht?

Sauberkeit, Zuverlässigkeit, Ordentlichkeit und Eigenverantwortung, weil man sich den Großteil der Arbeit selbst zuteilt.  Man braucht Grundkenntnisse in Chemie und Mathe für Reaktionsgleichungen. Außerdem sind viele Anweisungen auf Englisch, das wird immer mehr.   

Euer Bewerbungstipp?

Wichtig sind Praktika, eventuell auch schon vorher im Ausbildungsbetrieb. Außerdem sollte man auf die Rechtschreibung achten und auf keinen Fall unentschuldigt beim Vorstellungsgespräch fehlen. Dort sollte man versuchen, nicht allzu aufgeregt zu sein, auch wenn das schwierig ist.  

Und nach der Ausbildung?

Wenn ich übernommen werde, würde ich gerne hier bleiben. Es ist auch vom Ausbildungsbetrieb geplant, alle Azubis zu übernehmen, die Chancen stehen also gut. Auf jeden Fall bekommt man eine Übernahmegarantie von einem halben Jahr. Falls man nicht übernommen werden könnte, versucht in dieser Zeit der Betrieb mit dir zusammen, eine Stelle zu finden. Aber die Situation ist allgemein gut.

Steckbrief Chemielaborant/-in

Duale Ausbildung (manchmal auch schulische): 3,5 Jahre

Tätigkeiten: Aufbauen von Apparaturen, Vorbereitung von chemischen Untersuchungen und Versuchsreihen, Analysierung von Stoffen, Trennung von Stoffgemischen, Herstellung chemischer Substanzen, Dokumentation und Auswertung  

Arbeitsorte: Chemische und pharmazeutische Industrie, Farben- und Lackindustrie, Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie, Forschungseinrichtungen, Umweltämter, Berufsschule  

Perspektiven: Spezialisierung auf bestimmte Produktgruppen wie z.B. Arzneimittel oder die Untersuchung bestimmter Stoffe wie z.B. Metall, Techniker/-in der Fachrichtung Chemietechnik, Industriemeister/-in der Fachrichtung Chemie, Fach-und Betriebswirt/-in, Studium, Existenzgründung  

Das solltest du mitbringen: Genauigkeit, Sorgfalt, Zuverlässigkeit, Sauberkeit, Arbeitsschutz, Verantwortungsbewusstsein, bereit sein zu flexiblen Arbeitszeiten zu arbeiten  

Alternativen: Chemikant/-in, Chemielaborjungwerker/-in, Biologielaborant/-in, Chemisch-technische/-r-Assistent/-in  

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de