Franziska, 20 Jahre, 2. Lehrjahr als Fluggerätemechanikerin

Traumberuf oder Notlösung?

Es gehört zu meinem Traumberuf dazu. Mein eigentlicher Traum ist es, später Buschpilotin zu werden. Es macht mir allerdings auch total Spaß, Flugzeuge zu reparieren, von dem her ist es auch so eine Art Traumberuf. Ich wollte schon mit 13 Jahren Pilot werden und habe mich tatsächlich mit 17 Jahren bei der Bundeswehr für Hubschrauber oder Tornados beworben. Aber ich bin wegen meiner Augen nicht genommen worden. Nach dieser Enttäuschung bin ich für 8 Monate zu einem Missionsprojekt nach Brasilien gegangen und habe dort entdeckt, dass man sozial Sinnvolles und den Beruf Pilot verbinden kann. So bin ich auf das Berufsbild Busch- oder Missionspilot gekommen. Aber für eine private Pilotenausbildung hat mir erst mal das Geld gefehlt. Und so habe ich mit einer Mechanikerlehre angefangen, im Busch oder im Dschungel kann das einem immer weiter helfen. 

Wie sieht dein Tag als Fluggerätemechanikerin aus?

Hauptsächlich geht es um die Instandhaltung und Wartung von Flugzeugen. Wir haben hier vor allem die Maschinen der Flugschule. Denn alle 50 oder 100 Stunden, die ein Flugzeug geflogen ist, muss es kontrolliert werden. Hier werden aber auch Oldtimer wieder flugtauglich gemacht. Es kann auch mal passieren, dass wir einen ganzen Motor ausbauen müssen, reparieren und dann wieder neu zusammensetzen. Der Alltag ist abwechslungsreich und spannend und man hat immer wieder neue Aufgaben, über die man knobeln muss.

Die größte Überraschung?

Es ist schon ein super Erlebnis, wenn man von Anfang bis Ende an einem Projekt dabei ist, wie zum Beispiel den Motor ausbauen, reparieren, wieder einbauen und am Ende funktioniert wieder alles. Als volles Teammitglied mit eigener Verantwortung zu zählen, war ebenfalls eine positive Überraschung. 

Deine Lieblingsaufgabe?

Am liebsten mache ich Standläufe. Da überprüft man im Flugzeug die wichtigsten Funktionen und lässt das Flugzeug auf Hochtour laufen wie beim Flug.

Welche Kröten musst du schlucken?

Noch musste ich keine Kröten schlucken. Aber das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann, ist einen vollgekotzten Flieger sauber machen zu müssen, denn so was passiert schon mal. Ansonsten gefällt mir Blechteile anfertigen nicht so gut, aber ne richtige Kröte ist das für mich nicht.

Ohne was geht es nicht?

Man braucht auf jeden Fall eine Leidenschaft für Flugzeuge, und auch Durchhaltevermögen. Ausdauer braucht man auch, da es manchmal echt knifflige Aufgaben gibt und man da nicht so schnell aufgeben darf. Es ist gut technisches Vorstellungsvermögen zu haben und in der Schule besonders in Physik, Mathe und Englisch acht zu geben.

Wie viele Bewerbungen hast du geschrieben?

Eine.

Dein Bewerbungstipp?

Ich habe vorher hier ein Praktikum gemacht und ich denke das ist immer gut. Da sieht man auch, ob der Beruf einem wirklich liegt und für eine Bewerbung danach ist es gut, da der Ausbildende einen schon kennt. Im Gegenteil zu dem was man denken könnte, habe ich als Frau keine Probleme bemerkt, in diesen Beruf einzusteigen. Im Gegenteil, die freuen sich, wenn Frauen sich dafür interessieren!

Bald steinreich? Wie hoch ist der Monatsverdienst?

Also mit der Ausbildungsförderung und Kindergeld verdiene ich fast genauso viel wie Leute, die bei Lufthansa oder bei der Bundeswehr ihre Ausbildung machen.

Und nach der Ausbildung?

Nach der Ausbildung möchte ich zur MAF „Missionary Aviation Fellowship“ oder PMA „Pacific Missionary Aviation“, um entweder als Flugzeugmechanikerin oder Pilotin zu arbeiten. Ansonsten ermöglicht diese Ausbildung, zusätzlich Technikerin zu machen oder Prüferin, da braucht man dann allerdings Berufserfahrung. Ich kann auch Ausbilderin werden, was mich persönlich auch interessiert. Einen Ingenieur kann man auch machen, mit dem kann man dann unter anderem auch zur Raumfahrt gehen. Also es gibt wirklich viele verschiedene Richtungen, die man danach einschlagen kann, wenn man möchte. So kann man polyvalent sein, was auf dem heutigen Arbeitsmarkt immer gut ist. Wobei der Beruf Flugzeugmechaniker allein schon zur Zeit sehr im Kommen ist.

Steckbrief Fluggerätemechaniker/-in

Duale Ausbildung: 3 - 3,5 Jahre  

Bereiche: Triebwerkstechnik, Fertigungstechnik, Instandhaltungstechnik  

Tätigkeiten: Instandhaltung und Wartung von Flugzeugen, Kontrolle von Flugzeugen  

Arbeitsorte: Reparatur- und Instandhaltungswerkstätten von Fluggesellschaften, Fluggerätherstellern, Flughäfen, Luftwaffenstützpunkten der Bundeswehr, Berufsschule  

Perspektiven: Studium, Luftfahrttechniker/-in, Industriemeister/-in Flugzeugbau/Luftfahrttechnik, Prüfer/-in, Ingenieur/-in  

Das solltest du mitbringen: Begeisterung für Technik und große Maschinen, Flexibilität, körperliche Belastbarkeit, sehr gute Kenntnisse in Mathe, Physik und Technik  

Alternativen: KFZ-Mechatroniker/-in, Industriemechaniker/-in, Duales Studium Mechatronik

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de