Simone, 21 Jahre, 2. Lehrjahr als Hauswirtschafterin und Stephanie, 19 Jahre, 3. Lehrjahr als Hauswirtschafterin

Traumberuf oder Notlösung?

Stephanie: Nein, eine Notlösung auf keinen Fall. Es war einer der Berufe, den ich mir ausgesucht habe. Hier im Klinikum macht es mir sehr viel Spaß. Aber ob ich es mir in einer anderen Einrichtung genauso vorstellen könnte, weiß ich nicht. Je nachdem, wo man hier eingesetzt wird, wird man weit über Standard hinaus ausgebildet. Wir haben hier viel mehr Möglichkeiten aufgrund der Betriebsgröße.
Simone: Nein, eine Notlösung ist es keine, aber ein Traumberuf auch nicht unbedingt. Ich kann keine acht Stunden im Büro hocken, weil ich Bewegung bei der Arbeit brauche. Und das ist hier gegeben.

Wie sieht euer Tag als Hauswirtschafterin aus?

Stephanie: Das ist schwer zu beschreiben. Die Ausbildung ist sehr vielfältig. Wir arbeiten in verschiedenen Abteilungen: in der Reinigung, Wäscherei, Küche, bei der Essensausgabe, in der Gärtnerei, im Kindergarten, in der Pflege oder im Büro. Bei der Reinigung handelt es sich um Stationszimmer, Patientenzimmer, OP, Toiletten, Schwimmbäder und Labore.

Die größte Überraschung?

Simone: Die größte Überraschung war der Betrieb, weil er so riesig ist und die Vielfältigkeit der Arbeit.
Stephanie: Ja, das ging mir auch so. Zwar hab ich beim Vorstellungsgespräch einen kleinen Rundgang bekommen, aber so ins Detail geht man da ja doch nicht.

Eure Lieblingsaufgabe?

Stephanie: Wenn ich in der Küche bin, mache ich am liebsten Canapees, Platten usw. In der Gärtnerei mache ich am liebsten die Gestecke, weniger gern das Buddeln in der Erde. Reinigen macht mir allgemein Spaß. Bei mir gibt's überall etwas, das mir gut gefällt.
Simone: Ja, das ist bei mir auch so. Ich mache nicht nur eine Sache direkt am liebsten.

Welche Kröten müsst ihr schlucken?

Stephanie: Nach der Ausbildung werden wir leider nicht übernommen, da es keine freien Stellen gibt. Die Ausbilder finden es auch wichtig, dass wir noch andere Betriebe kennen lernen und uns vielleicht noch weiterbilden.
Simone: Das find ich auch schade, denn man hat sich jetzt hier eingelebt, kennt einigermaßen die Abläufe. Dann könnte man eigentlich auch hier weiter machen.

Ohne was geht es nicht?

Simone: Man muss teamfähig sein. Sonst funktioniert es nicht, wenn man mit so vielen verschiedenen Leuten zusammen arbeitet.
Stephanie: Ja, es ist notwendig, dass man aufeinander eingehen kann und all das, was für das Arbeiten in einer Gemeinschaft wichtig ist. Eine Eingangsvoraussetzung für die Ausbildung ist der Hauptschulabschluss. Ich hab das Berufskolleg I gemacht, aber das war kein Muss.

Wie viele Bewerbungen habt ihr geschrieben?

Simone: Ich habe 30 Bewerbungen für Ausbildungsplätze in allen möglichen Bereichen geschrieben, u. a. für das Hotelfach oder die Post. Im Hauswirtschaftsbereich habe ich nur die eine an die Uni-Klinik geschrieben.
Stephanie: Ich habe nur fünf geschrieben, aber alle in der Hauswirtschaft. Dann hatte ich sogar drei Stellen, bei denen ich hätte anfangen können. In den letzten Jahren wird die Ausbildung aber immer beliebter und es bewerben sich immer mehr.

Euer Bewerbungstipp?

Stephanie: Man sollte einfach so sein, wie man ist. Verstellen bringt eh nix. Das kommt später sowieso raus. Ein Praktikum ist, glaube ich, nicht ausschlaggebend. Aber wenn man die Möglichkeit hat, ein Praktikum zu machen und sich den Beruf anzuschauen, ist es vorteilhaft, weil, wenn man erst mal in der Ausbildung ist, ist es immer schlecht, die Ausbildung abzubrechen.
Simone: Ich habe im Kindergarten und im Reisebüro Praktikum gemacht. Das habe ich auch in meine Bewerbung geschrieben.

Bald steinreich? Wie hoch ist der Monatsverdienst?

Stephanie: Wir verdienen in der Ausbildung ganz gut, wenn auch nicht überragend. Reich wird man davon sicher nicht.
Simone: Der Verdienst ist okay. Es macht außerdem einen Unterschied, wo man als Hauswirtschafts-Azubi angestellt ist. Manche aus meiner Ausbildungsklasse werden unterbezahlt. Da kann der Unterschied fast 200 € betragen.

Und nach der Ausbildung?

Stephanie: Ich will erstmal arbeiten. Ich bin auch froh, nach der Ausbildung was Neues zu sehen. Außerdem habe ich so viele Möglichkeiten, z. B. das Berufskolleg II zu machen. Nach zwei Jahren Vollzeitschule ist man dann Hauswirtschaftsassistentin. Danach könnte ich mit zwei Jahren Berufserfahrung als Hauswirtschaftsassistentin auf die Schule für Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin gehen. Die geht dann auch noch mal zwei oder zweieinhalb Jahre. Als Alternative kommt die Meisterin in Frage; das sind zwei Jahre Abendschule und ein Jahr Vollzeit. Eine andere Möglichkeit ist die Tätigkeit als Dorfhelferin. Die kümmern sich bei Landwirten um deren Haushalt und die Kinder und helfen in der Landwirtschaft mit. Wenn ich erstmal eine Zeit gearbeitet habe, hätte ich schon Lust noch das Berufskolleg II oder meine Meisterin zu machen. Am liebsten würde ich im Catering arbeiten, weil das kreativer ist als z. B. in der Reinigung.
Simone: Man kann auch Lehrerin für Hauswirtschaft werden. Aber das sind insgesamt sechs Jahre und das dauert mir zu lange. Ich will ganz klar erstmal ins Ausland als Au-Pair nach Irland. Danach muss ich gucken, was auf dem Markt so angeboten wird. Aber arbeiten will ich auch auf jeden Fall. Vielleicht mache ich danach noch meine Meisterin, wenn das vom Geld her passt.