Thorsten und Jasmin, 3. Ausbildungsjahr als Heilerziehungspfleger/-in

 

Traumberuf oder Notlösung?

Thorsten: Ich habe mich bewusst für diesen Beruf entschieden. Durch meinen Zivildienst habe ich die Arbeit mit behinderten Menschen kennengelernt. Zudem habe ich einen Onkel mit einer geistigen Behinderung.Jasmin: Das ist definitiv mein Traumberuf. Nach meinem Abitur wusste ich zunächst nicht, was ich genau machen will, und habe mich für ein FSJ in dieser Einrichtung entschieden. Ich habe schnell gemerkt, dass das der Beruf ist, nach dem ich immer gesucht habe. 

 

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Jasmin: Das hängt davon ab, welchen Dienst ich habe. Es gibt Frühdienst, Spätdienst, Nachtbereitschaft und Zwischendienst. Im Frühdienst müssen die Bewohner geweckt und angezogen werden. Anschließend bereiten wir gemeinsam das Frühstück vor und essen zusammen. Danach gehen alle in die Werkstatt oder in die Seniorentagesstruktur. Zu unseren Aufgaben gehört ebenfalls, die Bewohner in hygienischen Angelegenheiten zu unterstützen, z. B. beim Duschen. Zudem gibt es Einkaufstrainings, was bedeutet, dass wir die Bewohner beim Einkaufen begleiten, oder wir unterstützen bei Therapien. 

 

Die größte Überraschung?

Thorsten: In der Ausbildung fand ich es schön – gerade in der Schule –, ganz viel über mich selbst zu erfahren und zu lernen. Und die Bewohner überraschen einen täglich mit Aussagen oder Verhaltensweisen.Jasmin: Die schönste Überraschung ist für mich, wenn ich Fortschritte sehe. Beim Kochen zum Beispiel benötigen die Bewohner anfangs viel Unterstützung, aber mit der Zeit können sie viele Dinge auch ohne Hilfe bewältigen. 

 

Eure Lieblingsaufgabe?

Thorsten: Es gibt keine spezielle Lieblingsaufgabe. Man bekommt viel zurück. Das ist wohl ähnlich wie bei einem Erzieher, man baut Beziehungen auf, es ist kein Alltagstrott wie in vielen anderen Berufen. Es ist immer wieder was anderes. Jasmin: Meine Lieblingsaufgabe ist die 1:1-Betreuung.

 

Welche Kröten müsst ihr schlucken?

Thorsten: Man muss mit Schicksalsschlägen umgehen können, z. B. dass Bewohner erkranken oder sterben. Man erfährt auch, wie die Menschen zu ihrer Behinderung gekommen sind. Bei vielen ist es angeboren, bei anderen ist es durch einen Unfall passiert oder durch Schwangerschaftskomplikationen. Jasmin: Ich muss im Schichtdienst arbeiten. Das kann beinhalten, 10 Tage am Stück sowohl an Wochenenden, Feiertagen, Weihnachten als auch an Silvester arbeiten zu müssen. Je nachdem, wo man arbeitet, kann es auch vorkommen, dass man Nachtbereitschaft hat. Man hat dann zwar die Möglichkeit, hier zu schlafen, aber man muss abrufbereit sein. 

 

Ohne was geht es nicht?

Man braucht auf jeden Fall viel Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit. Man muss flexibel und offen sein. Außerdem sollte der Umgang mit Menschen sowohl mit als auch ohne Behinderung einem liegen. Man braucht viel Einfühlungsvermögen.

 

Wie viele Bewerbungen habt ihr geschrieben?

Nur eine. Wenn man ein Vorpraktikum absolviert, hat man darin schon verschiedene Beurteilungsgespräche. 

 

Dein Bewerbungstipp?

Thorsten: Man sollt sich im Vorfeld genau über die verschiedenen Einrichtungen informieren und sich bewusst für einen Beruf entscheiden. 

 

Wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Thorsten: Ich hoffe, dass ich nach der Ausbildung übernommen werde. Aber wenn man sich nicht allzu „blöd” anstellt, klappt das in der Regel auch. Vor allem in diesem Beruf gibt es viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden und Schwerpunkte zu legen, wie etwa im musiktherapeutischen Bereich. 
Jasmin: Ich möchte erst mal im Wohnheimbereich oder im ambulant begleiteten Bereich bleiben. Später möchte ich eine Weiterbildung zur Heilpädagogin machen.

Steckbrief Heilerziehungspfleger/-in

schulische Ausbildung: Vollzeit: 2 bis 3 Jahre, Teilzeit: 3 bis 4,5 Jahre (teilweise wird Schulgeld erhoben)

Alternativen: Erzieher/-in, Heilpädagoge/Heilpädagogin, Haus- und Familienpfleger/-in

Arbeitsorte: Tagesstätten, Wohn- und Pflegeheime für Behinderte, Förderschulen, Krankenhäuser, Privathaushalte

Perspektiven: Zusatzqualifikationen, Heilpädagoge/Heilpädagogin, Heimerzieher/-in

Besonderes: Die Arbeit mit behinderten Menschen erfordert Einfühlungsvermögen und Geduld, aber auch körperlichen Einsatz beim Heben, Stützen oder Umbetten.

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de