Sebastian, 18 Jahre, 3. Lehrjahr als Landwirt

 

Traumberuf oder Notlösung?

Traumberuf! Man ist viel draußen, hockt nicht den ganzen Tag drinnen. Das wollte ich schon immer.

 

Wie sieht dein Tag als Landwirt aus?

Morgens schließe ich erstmal alles auf und dann werden – ob Winter oder Sommer – Maschinen gerichtet. Tagsüber geht's aufs Feld, im Winter arbeite ich viel in der Halle, muss Getreidesäcke füllen und ausliefern. Dazu kommt im Winter viel Werkstattarbeit: Maschinen richten, pflegen, waschen.

 

Die größte Überraschung?

Eigentlich keine: Ich habe alles schon gewusst.

 

Deine Lieblingsaufgabe?

Ich mache alles gerne. Bis auf Abpacken; Winterarbeit eben. Aber im Sommer macht eigentlich alles Spaß. Da ist die Arbeit jedes Jahr anders. Das Wetter zum Beispiel ist nie wie im vorigen Jahr. Im Büro ist das doch immer das gleiche.

 

Welche Kröten musst du schlucken?

Was schlecht ist, ist die Ausbildungsvergütung. Die ist im Verhältnis zur Arbeit zu niedrig. Ich habe einen Freund, der lernt auf einer Bank. Der verdient im ersten Lehrjahr mehr als ich im dritten! Und mein Arbeitstag ist deutlich länger: Im Sommer fängt man um 7.00 Uhr an und hört manchmal erst um 22.00 Uhr auf. Das schreckt bestimmt viele ab.

 

Ohne was geht es nicht?

Man muss körperlich fit sein. Und es darf einem nichts ausmachen, dass die Tage nicht fest geregelt sind. Im Sommer muss man zum Beispiel schon mal Sonntagsschichten einplanen. Manchmal geht dann die Arbeit schon morgens um 4.00 Uhr los, manchmal dauert ein Tag bis nachts um zehn. 

 

Wie viele Bewerbungen hast du geschrieben?

Keine. Ich kenne genug Leute und habe mich umgehört.

 

Dein Bewerbungstipp? 

Meiner Meinung nach ist es immer noch das beste, persönlich zu einem Betrieb hinzugehen. Ein Brief bringt da nicht viel. Hingehen und sagen: Ich möchte mir das gerne mal anschauen. Eine Woche da sein und mitarbeiten. Da habe ich als Bewerber am meisten davon – und der Betrieb auch. Die sehen dann genau, wer sich da vorstellt. In Bewerbungsschreiben steht viel drin ...

 

Bald steinreich? Wie hoch ist der Monatsverdienst?

Steinreich? Das bezweifle ich.

 

Und nach der Ausbildung?

Ich werde die Winterschule zum Landwirtschaftsmeister besuchen. Das ist eine Möglichkeit, den Meister zu machen: Drei Jahre im Winter ist Schule und im Sommer arbeite ich hier im Betrieb, da werde ich übernommen.

Steckbrief Landwirt/-in

Duale Ausbildung: 3 Jahre  

Tätigkeiten: Herstellung land- und tierwirtschaftlicher Produkte, Abwicklung von Geschäftsvorgängen in landwirtschaftlichen Betrieben, Halten von Nutztieren, Bedienung von Maschinen  

Arbeitsorte: landwirtschaftlichen Betrieben, Gemüse- und Obstbauernbetrieben, landwirtschaftlichen Versuchsanstalten, Berufsschule  

Perspektiven: Landwirtschaftsmeister/-in, Tierwirtschaftsmeister/-in, staatlich geprüfte/-r Betriebswirt/-in, Techniker/-in, Fachagrarwirt/-in, Selbstständigkeit, Studium  

Das solltest du mitbringen: Bezug zu Natur und Tieren, Spaß an der frischen Luft und in Schmutz zu arbeiten, bereit sein früh oder lange zu arbeiten, körperlichen Einsatz  

Alternativen: Tierpfleger/-in, Pferdewirt/-in, Hufschmied/-in

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de