Mikrotechnologe/ -technologin

Viktoria und Valerie, 3. Ausbildungsjahr als Mikrotechnologin

 

Traumberuf oder Notlösung?

Traumberuf, weil die Ausbildung zur Mikrotechnologin ein sehr vielseitiger Beruf ist. Vor allem sieht man manche Bauteile, mit denen man im Alltag zu tun hat, auch mal aus einer anderen Perspektive. Uns gefällt es, die technisch komplexen Anlagen zu bedienen, mit denen Sensoren hergestellt werden. Valerie: Außerdem finde ich, dass der Beruf sehr außergewöhnlich und unbekannt ist. Also hat man immer was zu erzählen, wenn die Frage kommt: Und was machst du so? Victoria: Weil ich eine sehr lebhafte Person bin, glaube ich nicht, dass mir ein trister Bürojob liegen würde.

 

Wie sieht euer Arbeitsalltag aus?

Unseren Tag verbringen wir im Reinraum. Um in den Reinraum zu kommen, müssen wir durch eine Schleuse gehen, in der wir uns einen Overall, Handschuhe, Haube und Schuhe anziehen. Das müssen wir machen, weil der Reinraum ein partikelfreier Raum ist. In der Mikromechanik und Mikroelektronik ist das Grundmaterial Silizium. Wir lassen die Siliziumscheiben verschiedene technologische Prozesse durchlaufen, wie zum Beispiel nasschemisches Ätzen oder die Erzeugung einer neuen Schicht.

 

Die größte Überraschung?

Victoria: Eine positive Überraschung war, dass wir hier learning by doing ausgebildet werden. Unsere Klassenkameraden in der Berufsschule werden ausschließlich in der Lehrwerkstatt ausgebildet. Valerie: Positiv hat mich überrascht, dass uns hier schon sehr bald viel Verantwortung übertragen wurde. Wir arbeiten weitgehend selbstständig.

 

Eure Lieblingsaufgabe?

Durch die ständige Abwechslung gibt es viele Aufgaben, die man gerne erledigt, und es wird nie langweilig.

 

Welche Kröten müsst ihr schlucken?

Weil es nicht so viele Lehrstellen als Mikrotechnologe gibt, müssen wir nach Reutlingen in die Berufsschule fahren, das ist etwa zwei Stunden von uns entfernt.

 

Ohne was geht es nicht?

Ohne Teamwork und ständige Absprachen geht das Arbeiten im Reinraum nicht. Aufmerksamkeit ist sehr wichtig, weil wir mit gefährlichen Gasen und Chemikalien arbeiten.

 

Wie viele Bewerbungen habt ihr geschrieben?

Valerie: Ich habe viele Bewerbungen geschrieben, weil ich mich auch noch für andere Berufe beworben habe. Ich wollte sicher sein, dass ich nach meinem Schulabschluss eine Berufsausbildung anfangen kann. Victoria: Ich habe nur vier Bewerbungen geschrieben, aber dieser Beruf hat mich nach einem dreitägigen Praktikum am meisten fasziniert.

 

Euer Bewerbungstipp?

Auch schon in dem Bewerbungsschreiben zeigen, dass man sich gründlich über den Beruf informiert hat. Wenn es zu einem Vorstellungsgespräch kommt, unbedingt über das Unternehmen informieren, locker und freundlich sein.

 

Und nach der Ausbildung?

Nach der Ausbildung stehen einem alle Türen offen. Zum Beispiel kann man einfach Berufserfahrung sammeln, den Meister oder Techniker machen oder noch ein Studium Mikrosystemtechnik beginnen. Falls man keine Einstellung als Mikrotechnologe/-in bekommt, nicht verzagen, es gibt auch artverwandte Berufe.

Steckbrief Mikrotechnologe/-technologin

Duale Ausbildung:
3 Jahre

Alternativen:
Elektroniker/-in, Systemelektroniker/-in, Werkstoffprüfer/-in, Physiklaborant/in, Mechatroniker/-in

Arbeitsorte:
Hersteller von elektronischen Bauelementen, Forschungs- und Entwicklungslabors im Bereich Ingenieurwissenschaften oder Mikrotechnik

Perspektiven:
Spezialisierung z. B. auf Produktion oder Qualitätssicherung, Techniker/-in der Fachrichtung Mikrosystemtechnik oder Leiterplattentechnik

Besonderes:
Jedes Staubkörnchen kann den empfindlichen Chips schaden, deshalb arbeitet man in Schutzkleidung unter Reinraumbedingungen.

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de