Markus, 18 Jahre, zweites Lehrjahr als Weinküfer

Traumberuf oder Notlösung?

Da mein Vater ein eigenes Weingut besitzt, musste ich nicht lange überlegen, was ich machen möchte. Von klein auf bin ich mit der Arbeit rund um den Wein aufgewachsen. Allerdings habe ich zusätzlich 3 Praktika absolviert, um auch andere Betriebe als den meines Vaters kennen zu lernen. Ich kann sagen: „Ich habe meinen Traumberuf gefunden!”

Wie sieht dein Tag als Weinküfer aus?

So einfach ist diese Frage nicht zu beantworten. Unsere Ausbildung ist sehr abwechslungsreich. Wir können nicht einfach sagen: so sieht unser Tag aus! Unsere Arbeit wechselt von Monat zu Monat. Das heißt, die Weinherstellung ist ein langer Prozess, den wir über ein Jahr von der Annahme der Trauben bis zum fertigen Wein begleiten. Unsere Arbeitsgänge möchte ich in Stichworten erklären, da dieser Beruf einfach zu vielschichtig ist.

  • Annehmen, Verarbeiten und Behandeln von Trauben, Maische und Most
  • Überwachen der Maische- und Mostvergärung
  • Laboruntersuchungen
  • Behandeln und Ausbauen von Jungweinen und Wein
  • Vorbereiten und Abfüllen des Weines
  • Vorstellen und Bewerten von Wein

Wichtig ist auch, dass der Weinküfer neben diesen zahlreichen Arbeitsgängen auch für das Reinigen der Fässer und Tanks, Warten von modernster Kellertechnik sowie für hygienische Sauberkeit verantwortlich ist. Die Ausbildung dauert 3 Jahre, wobei ich nur 2 1/2 Jahre absolviere, da ich die mittlere Reife habe.

Die größte Überraschung?

In diesem Beruf fallen sehr viele Tätigkeiten an, die eigentlich nur im Team zu bewältigen sind. Über diese Erfahrung bin ich sehr dankbar, da ich jetzt weiß, was „Teamarbeit” bedeutet.

Deine Lieblingsaufgabe?

Das ist der „Wein”. Ich begleite diesen von der Traube bis zur Abfüllung auf die Flasche. Im jährlichen Kreislauf werden die Arbeiten zwar wiederholt. Wir machen jeden Monat eine andere Arbeit; nicht wie in anderen einseitigen Berufen. Gerade das macht die ganze Arbeit interessant. Wenn man dann den fertigen Wein verkostet und der ist gut geworden – „das ist schon ein gutes Gefühl”.

Welche Kröten musst du schlucken?

Man muss wissen, dass man in einem Keller arbeitet, da ist es immer feucht und kühl, also nicht ganz so gemütlich. Auch fallen während der Hauptsaison lange Arbeitszeiten an; das kann dazu führen – natürlich erst ab 18 Jahre – das man täglich zwölf Stunden arbeiten muss.

Ohne was geht es nicht?

Für diesen Beruf braucht man Verantwortungsbewusstsein, Interesse an biologischen bzw. chemischen Abläufen und moderner Kellereitechnik. Aber man benötigt ebenso für die Weinverkostung feine Geschmacksnerven. Vorraussetzung ist der Hauptschulabschluss.

Wie viele Bewerbungen hast du geschrieben?

Im Ganzen waren es vier Stück. Ich entschied mich für den größten dieser vier Betriebe. Das hatte mehrere Gründe, einmal waren es sehr viele Auszubildende, d.h. viele junge Leute im gleichen Alter. Zum Zweiten und für mich der wichtigste Grund, die Möglichkeit eine Vielfalt an Kellereimaschinen und -techniken kennen zu lernen, die man in kleineren Betrieben nicht hat.

Dein Bewerbungstipp?

Mein Tipp ist es, auf jeden Fall ein Praktikum bzw. mehrere Praktika vielleicht auch über verschiedene Berufe zu absolvieren. Das hat wesentliche Vorteile, zum einen lernt man den Beruf bzw. den Betrieb näher kennen und zum anderen kann man sich eine wirkliche Vorstellung von dem Beruf machen.

Bald steinreich? Wie hoch ist der Monatsverdienst?

Laut Tarif erhält man folgende Ausbildungsvergütung:1. Lehrjahr 572 €/Monat brutto, 2. Lehrjahr 646 €/Monat brutto und 3. Lehrjahr 713 €/Monat brutto. Allerdings können sich diese Vergütungen immer wieder ändern!

Und nach der Ausbildung?

Ich würde gerne für einige Zeit ins Ausland gehen. Australien, Neuseeland oder vielleicht Südafrika kommen für mich in Frage. Ein Auslandsaufenthalt würde mir einiges an Erfahrungen geben und ich könnte meine Sprachkenntnisse erweitern. Eines steht jetzt schon fest, ich werde mich auf jeden Fall weiterbilden, ob nun als Kellermeister, Weinbautechniker oder vielleicht sogar Ingenieur, dass weiß ich allerdings jetzt noch nicht!

Steckbrief Weinküfer/-in

Duale Ausbildung: 3 Jahre

Tätigkeiten: Annehmen, Verarbeiten und Behandeln von Trauben, Maische und Most, Überwachen der Maische- und Mostvergärung, Laboruntersuchungen, Behandeln und Ausbauen von Jungweinen und Wein, Vorbereiten und Abfüllen des Weines, Vorstellen und Bewerten von Wein

Arbeitsorte: Weingutgenossenschaft, Berufsschule  

Perspektiven: Meister/-in, Kellermeister/-in, Staatlich geprüft. Techniker/-in, Ingenieur/-in, Verkaufsleiter/-in, Betriebsleiter/-in

Das solltest du mitbringen: Handwerkliches Geschick, Interesse an biologischen und technischen Abläufen, guter Geruchs- und Geschmackssinn, körperliche Konstitution  

Alternativen: Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk, Süßwarentechnologe/technologin, Winzer/-in

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de