Betriebswirt/-in (BA) - Banken

Stefan, 23 Jahre, 4. Semester Diplom-Betriebswirt, Fachrichtung Banken (DH)

 

Traumberuf oder Notlösung?

Es ist eigentlich schon ein Traumberuf. Es war auch die einzige Bewerbung, die ich nach der 12. Klasse losgeschickt habe, und ich wurde dann auch gleich genommen. Ich hatte früher allerdings schon einmal ein Praktikum bei einer Bank gemacht.

 

Warum hast du dich für die Duale Hochschule entschieden?

Ich wollte bereits während des Studiums Geld verdienen und das ist während der DH-Ausbildung gegeben. Das war für mich mit das Entscheidende. Darüber hinaus ist mir sehr wichtig, dass man neben dem theoretischen Teil auch die Praxis im Betrieb mitbekommt. Die Entscheidung für die DH war mit einer Anzeige der Bank verbunden, in der sie Auszubildende suchte. Ich habe mich entsprechend erkundigt, beworben und den Ausbildungsplatz im Rahmen des Auswahlverfahrens bekommen. Im Vergleich zu meinen Freunden, die sich erst nach der 13. Klasse beworben haben, hatte ich Glück, dass ich die Stelle schon relativ früh hatte.

 

Was steht bei dir auf dem Studienplan?

Zum einen die Allgemeine BWL – vergleichbar mit den Uni-Fächern BWL, geht vielleicht nur nicht so in die Tiefe. Dann VWL und S-BWL - die spezielle Betriebswirtschaftslehre. Da geht es dann nur um Banken und hier geht es dann auch sehr in die Tiefe. Dann haben wir verhältnismäßig viel Recht, manchmal kam ich mir vor wie im Jurastudium: zu Beginn BGB und Schuldrecht, nächstes Jahr Insolvenzrecht, Erbrecht, Bankrecht, Steuerrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht. In den Klausuren geht es auch um Fallbeispiele, die wir erörtern und argumentieren müssen. Ab und zu gibt es auch mal was zum Auswendiglernen. S-BWL ist wirklich rein bankspezifisch: Finanzmathematik, BWL der Banken, d.h. Schuldverschreibungen, Aktien, Optionen. Dann gibt es noch die Bankbilanzierung, da sich die Bankbilanz im Aufbau von anderen Bilanzen unterscheidet. Im ersten Semester hatten wir EDV- und Powerpoint- sowie Excel-Schulungen. Später kommen dann noch weitere hinzu, die nicht klausurrelevant sind. Das heißt dann „AWT” – anwendungsbezogene Theorie – und ist so eine Art freiwillige Pflicht.

 

Was sind deine Aufgaben in der Praxis?

Das kommt auf die jeweilige Abteilung an, die man aufgrund des individuellen Ausbildungsplans besucht. Nach zwei Jahren habe ich alle durchlaufen. Jetzt kann ich mit meiner Ausbildungsleiterin abstimmen, in welche Abteilung ich noch oder nochmals will. So komme ich auch in Abteilungen, in die nicht jeder Azubi kommt. Man arbeitet mit dem Kollegen, der für einen bestimmten Fall, eine Aufgabe zuständig ist, zusammen. So kann man beispielsweise im Kreditbereich einen Fall von A bis Z bearbeiten: z.B. einen Problemkreditfall bei einer Firma, die Insolvenz anmelden muss und bei uns noch einen Kredit hat. Da überlegen wir, wie es weitergehen kann. Der Ausbildungsplan sieht auch die Abteilung „Innenrevision” vor, die prüft, ob alle Prozesse innerhalb der Bank ordnungsgemäß ablaufen. Dort bekommt man ein eigenes kleines Prüffeld übertragen. Außerdem durchläuft man die Privat- und Firmenkundenberatung und die Vermögensverwaltung. Überall wird man mit eigenen Aufgaben betraut.

 

Wie sieht dein Tag aus?

Ich fange um acht Uhr an und bearbeite die laufenden Projekte oder frage meinen Betreuer, wie ich ihn unterstützen kann. Dabei bleibt ab und zu auch mal Zeit, was für die DH zu machen. Um zehn Uhr ist Frühstückspause, um ein Uhr Mittagspause und um halb fünf ist in der Regel während der Ausbildung Feierabend. Meine Kollegen sind aufgrund der flexiblen Arbeitszeit meistens noch alle da wenn ich gehe, oftmals sogar deutlich länger.

 

Was war neu für dich?

Als DH-Student war nach einem Jahr Zivi das Lernen wieder neu für mich. In der DH sitze ich vor Klausuren manchmal bis zehn Uhr abends vor den Büchern. In Bezug auf die Bank hatte ich diese bislang nur aus der Kundenperspektive, nur den Schalter, gesehen. Jetzt sieht man, dass das meiste, die meisten Abteilungen dahinter liegen.

 

Deine liebste Tätigkeit?

In der Kreditrevision, denn das ist auch die Richtung, in die ich später gehen will. Ich habe daher auch in der DH die Vertiefungsrichtung „Prüfungswesen” gewählt. Was ich mir auch noch vorstellen könnte wäre Controlling, Unternehmenssteuerung oder den gewerblichen Kreditbereich.Was war bisher deine größte Herausforderung?Fälle, bei denen es viele Rechtsprobleme gibt und man sich durch Gesetzbücher und -kommentare kämpfen muss.

 

Ohne was geht es nicht?

Auf der DH ist es notwendig, dass man drei Wochen vor der Klausur – wenn man abends um fünf oder sechs von den Vorlesungen heimkommt – sich noch an den Schreibtisch setzt. Aber genauso wenig geht es ohne Party. Das muss sein zum Abspannen und Abschalten. Im Bankwesen generell sollte man natürlich mit Zahlen umgehen können. Man hat auch immer mit Menschen zu tun, d.h. Offenheit, Engagement und Teamfähigkeit sind gefragt.

 

Wieso hast du diesen Betrieb gewählt?

Weil ich als Kunde die Bank bereits kannte und ich während meiner Bewerbungsphase eine entsprechende Anzeige in der Zeitung las.

 

Wie viele Bewerbungen hast du geschrieben?

Wie schon vorhin erwähnt: Eine einzige.

 

Dein Bewerbungstipp?

Keine Rechtschreibfehler, ordentliche Bewerbungsunterlagen. Was auch gut ankommt, ist die Präsentation eigener Stärken: z.B. zeigen, dass man gut mit Menschen umgehen oder in einem Team arbeiten kann, unbedingt erwähnen, wenn man Klassensprecher war oder in einem Verein aktiv ist. Für das Gespräch ist es gut, wenn man sich im Vorfeld über den Betrieb informiert und Interesse zeigt, damit man auf Fragen, die die Politik und vor allem die Wirtschaft betreffen, vorbereitet ist.

 

Bald steinreich? Wie hoch ist der Monatsverdienst?

Ich habe beispielsweise ein eigenes Auto, das ich unterhalten kann. Ansonsten wohne ich während der Arbeit in der Bank bei meinen Eltern und während der DH-Zeit in einer WG. Die Miete zahle ich selbst, aber meine Eltern überweisen mir das Kindergeld. Es reicht zum Leben.

 

Und nach dem DH-Studium? Aufstiegschancen?

Die Chancen, dass man übernommen wird, sind gut. Es kommt natürlich darauf an, was man mir anbietet. Ende September habe ich die ersten Gespräche. Dann mal sehen! Aber die Banken schauen schon, dass man unterkommt. Da der DH-Studiengang noch jung ist, gibt es noch nicht so viele von uns in den oberen Etagen; aber ich denke, man hat schon bessere Aufstiegschancen als ein normaler Bankkaufmann. Denn die müssen sich ja noch weiterbilden, bis sie einen vergleichbaren Abschluss haben.

 

 

Steckbrief Diplom-Betriebswirt/in (DH) Dienstleistungsmanagement, Medien und Kommunikation

Studium: 6 Semester  

Tätigkeiten: Planung, Organisation, Steuerung und Kontrolle von kaufmännischen Bankvorgängen, Beratung  

Arbeitsorte: Kreditinstituten wie Banken und Direktbanken, Girozentralen, Sparkassen, Bausparkassen, duale Hochschule  

Perspektiven: Controlling, Unternehmenssteuerung oder den gewerblichen Kreditbereich  

Das solltest du mitbringen: Guter Umgang mit Zahlen, Statistiken und Gesetzen, Engagement, Teamfähigkeit  

Alternativen: Betriebswirt/-in Verkehr/Logistik, Betriebswirt/-in Außenwirtschaft  

Alternative zum Studium: Betriebswirt/-in Banken (berufliche Weiterbildung), 1 – 3 Jahre (nach abgeschlossener kaufmännischer Ausbildung)  

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de