Betriebswirt/-in (BA) - Medien und Kommunikation

Patrik, 29 Jahre, 4. Semester BWL Fachrichtung Medien und Kommunikation, Schwerpunkt Marketing (DH)

Traumberuf oder Notlösung?

Projektmanagement ist schon mein Traumberuf. Aber eigentlich komme ich aus der Spiele-Branche: Ich habe schon als Kind angefangen, Konzepte für Brettspiele zu entwickeln und später dann am Computer Graphik gemacht und programmiert. Ich wollte immer Computerspiele entwickeln.

Warum hast du dich für die Duale Hochschule entschieden?

Ich hab zuerst an der FH ein Studium in Richtung Informatik angefangen, um an meine Programmier-Laufbahn anzuknüpfen, aber habe relativ schnell gemerkt, dass das an dieser FH nichts wird. Gemeinsam mit Kumpels von der FH habe ich dann angefangen Computerspiele herzustellen. Das lief so gut, dass uns irgendwann eine Computer-Spiele-Firma komplett übernommen hat, wo ich dann drei Jahre lang gearbeitet habe, zuerst als Graphiker, dann eher als Projektmanager. Bis die Firma Insolvenz angemeldet hat und ich betriebsbedingt gekündigt wurde. Dann hab ich mich entschieden, doch noch einen Berufsabschluss zu machen. Ich wollte relativ schnell einen Abschluss haben - und den kriegt man an der DH in sechs Semestern. Außerdem ist es sehr praxisorientiert: Abwechselnd haben wir drei Monate Praxis- und drei Monate Theoriephase. In der Theoriephase ist es so, dass man drei Monate an der DH ist, wo man seine Vorlesungen besucht. Und in der Praxisphase bin ich hier im Betrieb.

Was steht bei dir auf dem Studienplan?

Buchhaltung, allgemeine und spezielle Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen, Marketing, E-Commerce, Projektmanagement. In Betriebswirtschaftslehre werden vom 1. bis 4. Semester die Grundlagen abgedeckt. Im 5. und 6. Semester kommt dann die Vertiefung. Ganz am Anfang hatten wir auch mal Datenverarbeitung, aber das war eher ein Grundkurs. Richtiges Programmieren steht nicht auf dem Plan. Dann gibt es noch zusätzliche Angebote, z.B. waren wir mal bei einem Fotografen und haben eine Foto-Session gehabt. Ein anderes Mal haben wir bei einer Künstlerin einen Kurs gehabt, wo wir mit Farben auf Leinwänden gearbeitet haben. Oder ein Kurs zur Gestaltung von Flyern. Zusätzlich zu dem ganzen Lernstress kommt dann noch die Praxisarbeit. Das ist wie eine Mini-Diplom-Arbeit mit einem Seitenumfang von 20-40 Seiten, z.B. habe ich letztens einen Bericht zu Online-Marketing geschrieben, den ich vor Beginn der nächsten Theoriephase abgeben musste. Es läuft so, dass du lernst und lernst und lernst und am Ende von jedem Semester werden zwei Wochen lang Klausuren geschrieben. Das finde ich immer relativ haarig. Ich bin nicht so einer, der die ganzen Informationen so schnell in seinen Kopf kriegt. Ich muss mich darauf dann schon etwas längerfristig vorbereiten. Im dritten Semester haben wir innerhalb von zwei Wochen 11 oder 12 Klausuren geschrieben. An einem Termin hatte ich mal drei Klausuren – das finde ich Wahnsinn.

Was sind deine Aufgaben in der Praxis?

Ich bin hier Projekt-Manager, obwohl ich mich selbst eher als Projekt-Managerassistent sehe, weil ich noch einen Vorgesetzten habe, der mir eher kleinere Aufgaben gibt. Größere Projekte machen für mich keinen Sinn, da ich nach den drei Monaten in der Firma wieder an der DH bin und kein Ansprechpartner mehr sein kann. Die letzten drei Tage habe ich an einem Web-Formular gearbeitet, mit dem man sich online einen Kredit ausrechnen lassen kann. Wir haben dieses Formular erstellt und jetzt habe ich es durchgetestet, um rauszukriegen, was funktioniert und was nicht. Anschließend habe ich mich darum gekümmert, was die Informatiker, Programmierer oder Graphiker zu tun haben, um die Fehler zu beheben.

Wie sieht dein Tag aus?

Morgens schaue ich, was so ansteht. Z.B. muss ich die Arbeit für die Programmierer und Graphiker zusammenstellen, die meistens gegen 9 oder 10 h anfangen zu arbeiten. Um 9.45 h haben wir ein kleines Projektmanager-Meeting, wo die Tagesaufgaben besprochen werden. Ich kümmere mich dann im Tagesverlauf darum, dass die Ziele eingehalten werden. Dann habe ich noch ein paar zusätzliche Aufgaben, wie z.B. die Aktualisierung von Intra- und Internet.

Was war neu für dich?

Das war die Komplexität der Kommunikation. Ich hätte nicht gedacht, dass es komplexer werden kann als in meiner kleinen Firma mit meinen Kumpels. Aber als ich hier angefangen habe und die ersten Projekte übernommen habe, da musste ich das alles erstmal in meinem Gehirn sortieren. Das war eine Überraschung, die erstmal überlastete. Ich musste fünf, sechs Projekte und ihren jeweiligen Stand im Kopf haben und dann sehr schnell Entscheidungen treffen und auf Gegenfragen unmittelbar reagieren.

Deine liebste Tätigkeit?

An der DH finde ich Marketing ziemlich spannend. Mit Recht kann ich dagegen gar nichts anfangen.

Was war bisher deine größte Herausforderung?
Der Umstieg auf die Praxis ist immer der Mega-Bruch. Erst ist man Student, dann plötzlich Projektmanager und hat dann einen komplett anderen Tagesablauf.

Ohne was geht es nicht?

Man muss mit der Dynamik in der Kommunikation und den Arbeitsprozessen umgehen können. Ein Projektmanager muss alles überblicken, die Ruhe behalten, planen können, kommunikativ und sozial kompetent sein. Außerdem geht es nicht ohne den Computer und das Office-Paket: Ich muss Power-Point-Präsentationen machen, Konzepte in Word schreiben, Listen in Excel erstellen, kleine Änderungen in PhotoShop durchführen. Alles lernbar.

Wieso hast du diesen Betrieb gewählt?

Dazu kann ich nicht all zuviel sagen. Die Projekte und die Philosophie des Unternehmens waren allerdings sehr wichtig für mich. Der Bewerbungsablauf sieht so aus, dass man sich bei einer Firma mit der Absicht einen DH-Studiengang zu machen bewirbt und das auch in der Bewerbung erklärt. Erst wenn man die Stelle beim Arbeitgeber hat, wendet man sich an die DH.

Wie viele Bewerbungen hast du geschrieben?

Insgesamt habe ich bestimmt 60 bis 70 Bewerbungen geschrieben, wobei ich mich am Anfang nicht auf DH-Stellen beworben habe. Dafür habe ich dann circa 20 Bewerbungen geschrieben. Ich bin dann aber auch erst eine Woche nach DH-Beginn eingestiegen, weil ich vorher noch keinen Arbeitgeber gefunden hatte.

Dein Bewerbungstipp?

Ich glaube, ich bin ein Sonderfall und kann deshalb wenig dazu sagen. Aber ich habe mich vorher über die Firma informiert und die Bewerbung genau darauf abgestimmt. Das Wichtigste ist, sich komplett auf die Firma einzulassen und sich vor der Bewerbung schon zu überlegen, ob diese für einen relevant sein könnte. Ist sie das nicht, braucht man sich erst gar nicht zu bewerben. Ist sie es, dann aber alle Hebel in Bewegung setzen! Für mich persönlich habe ich noch ein Kärtchen gelayoutet, wo ich meinen gesamten Lebenslauf in komprimierter Form dargestellt habe. Einen eigenen Weg verfolgen, Kontakte schaffen und Netzwerke aufbauen ist allerdings der sicherste Weg an einen Job zu kommen (Meine Meinung).

Bald steinreich? Wie hoch ist der Monatsverdienst?

Wir kriegen ein Gehalt, aber ich könnte davon nicht mehr leben, da sich im Laufe meines bisherigen Berufslebens mein Lebensstandard auch gesteigert hat. Wenn meine Frau nicht voll verdienen würde, könnte ich mir die DH nicht leisten. Wenn man nur danach geht, wie man möglichst schnell viel Geld verdienen kann, lässt man ziemlich viel auf der Strecke. Ich will mich in erster Linie auf irgendeine Art verwirklichen. Ich mag es, Konzepte zu entwickeln, kreativ zu sein – wenn ich das nicht mehr hab, lohnt sich das Ganze nicht, egal wie viel Geld ich hab. Natürlich hoffe ich, irgendwann so viel Geld zu haben, um mir ein paar Wünsche zu erfüllen.

Und nach dem DH-Studium? Aufstiegschancen?

Ich habe bisher mit dem Geschäftsführer noch gar nicht besprochen, ob die mich hier übernehmen würden. Grundsätzlich steht das sicher zur Debatte, weil ich mich nun recht tief hier eingearbeitet habe.

 

Steckbrief Betriebswirt/in (BA) Medien und Kommunikation

Berufliche Weiterbildung: 2,5 – 3 Jahre  

Tätigkeiten: Leitung und Betreuung von Medienprodukten, Installation von Geräten und Systemen für den Medienbereich, Beratung von Kunden  

Arbeitsorte: Rundfunkveranstaltern, Verlagen, Softwareanbietern, Betrieben der Filmwirtschaft oder der Werbegestaltung, Firmen der Druck- und Medienvorstufe, duale Hochschule  

Perspektiven: Tätigkeit in vielen verschiedenen Branchen (Werbung, Verlage, Marketing), Projekt- und Event-Management  

Das solltest du mitbringen: Hohe Kommunikationsfähigkeit, Belastbarkeit, Freude an viel Abwechslung, Umgang mit der Dynamik in der Kommunikation und in den Arbeitsprozessen, Soziale Kompetenz  

Alternativen: Betriebswirt/-in Absatz/Marketing, Betriebswirt/-in Außenhandel, Betriebswirt/-in Textil

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de