Sozialpädagoge/ Sozialpädagogin (BA)

Tobias, 26 Jahre, 6. Semester Diplom-Sozialpädagoge (DH)

Traumberuf oder Notlösung?

Eher Traumberuf. Es ist meine zweite Ausbildung. Ich hab schon eine kaufmännische Ausbildung gemacht und hab mich durch meinen Zivildienst in den USA entschieden, mich noch mal neu zu orientieren. Dort hab ich viel mit gesellschaftlichen Randgruppen gearbeitet, sowohl mit Kindern als auch Erwachsenen. Ich hab mich bewusst für die soziale Komponente entschieden.

Warum hast du dich für die Duale Hochschule entschieden?

Weil mir die Praxis wichtig ist und bei uns die Hälfte der Ausbildung aus praktischer Arbeit besteht. Ich bin kein Theoretiker, der sich unter Büchern vergräbt.

Was steht bei dir auf dem Studienplan?

Das Studium ist unterteilt in zwei Jahre Grundstudium und ein Jahr Vertiefungsrichtung. Hauptfächer sind Psychologie und Recht, z.B. Arbeitsrecht, Verwaltungsrecht, Sozialrecht. Natürlich auch soziale Arbeit und deren Methoden: Einzelfallhilfe und Gruppenarbeit. Es gibt auch noch andere Bereiche, wie die Medienpädagogik. Im Vergleich zur Uni gibt es bei uns auch recht viel Frontalunterricht. Die Gruppen sind allerdings nicht so groß wie an der Uni, denn es sind immer nur so 30 Leute. Es gibt auch nicht die typisch großen Vorlesungssäle. Die Räume sehen eher aus wie Klassenzimmer. Im dritten Jahr in der Vertiefungsrichtung habe ich mich auf Kinder- und Jugendarbeit spezialisiert und da hatten wir ein Arbeitsfeldseminar, was mit zwei Tagen pro Woche ziemlich intensiv war. Da ging es konkret um offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Praktischer ist es also erst jetzt im dritten Jahr geworden, wobei im ersten Jahr die Medienpädagogik-Fächer schon auch praktisch waren, aber das war im Verhältnis zum Frontalunterricht eher wenig. Seminare, Austauschrunden, Rollenspiele und Exkursionen sind jetzt erst im letzten Jahr dazu gekommen.

Was sind deine Aufgaben in der Praxis?

50-60% der Zeit verbringe ich im Kindertreff. Das ist ein offener Treff hier im Stuttgarter Westen, d.h. die Kinder können ohne Anmeldung kommen und gehen. Das ist direkt neben dem Spielplatz, was ganz günstig ist, weil dann immer wieder neue Kinder kommen. Der Ablauf dort sieht so aus, dass wir am Nachmittag ein relativ festes Programm haben. Es gibt eine Stunde Hausaufgabenbetreuung, dann eine Stunde Spielen oder einen anderen Programmpunkt. Es gibt jeden Tag für eine halbe Stunde eine biblische Geschichte, weil uns die Orientierung am christlichen Glauben wichtig ist. Und zum Schluss ist noch mal eine Stunde Spielen dran. In diesen Spielzeiten machen wir dann häufiger auch Ausflüge oder einen Workshop. Die restliche Zeit bin ich hier in der Einrichtung des CVJM; da betreue ich ein erlebnispädagogisches Angebot für Jungs zwischen 13 und 15 Jahren. Wir machen viel draußen im Wald, klettern und spielen im Gelände. Ein wichtiger Teil sind dann noch die Freizeiten, die ich außerdem hier mit organisiere und betreue, sowohl im Sommer als auch im Winter die Skifreizeiten. Anders als im Erzieherberuf ist beim Sozialpädagogen noch mehr planerisches Arbeiten mit dabei, wie z.B. Konzepte zu entwerfen oder neue Methoden zu entwickeln.

Was war neu für dich?

Es gibt hier viele Ehrenamtliche im Verein, über deren Begeisterungsfähigkeit ich überrascht bin. Wir haben eine echt gute Zusammenarbeit. Mit einigen habe ich auch noch privaten Kontakt. Irgendwann saßen alle bei mir zu Hause im Garten und haben für mich eine Überraschungsfete geschmissen, allerdings war das eher eine private Überraschung. Beruflich überraschend war für mich eher, dass die Zusammenarbeit so gut läuft und dass sie auch zuverlässig sind.

Deine liebste Tätigkeit?

Alles macht recht großen Spaß. Die größte Herausforderung, aber auch der größte Spaß ist die Arbeit im Kindertreff. Einfach das Zusammensein mit den Kindern, auch wenn es mal haarig wird und sie sicher nicht immer einfach sind. Momentan kommt regelmäßig so eine kleine Kinder-Gang, die am Anfang ziemlich cool aufgetreten ist. Mittlerweile entsteht eine Beziehung zu ihnen und sie fangen an, sich ein bisschen zu öffnen. Mit einigen mache ich dann auch Einzelarbeit, unternehme etwas mit ihnen allein und so komme ich in noch besseren Kontakt zu ihnen. Dann erzählen sie auch mehr von sich und ihren Sorgen. Gerade als Mann habe ich eine Sonderstellung, da Erziehung in Kindergarten und Schule ja normalerweise in Frauenhand liegt, und gerade die Jungs sich manchmal an jemandem reiben müssen, was aber gut und wichtig ist. Theoretisch interessiert mich am meisten die Psychologie, weil ich es spannend finde zu erfahren, was Leute, die verhaltensauffällig oder süchtig sind, denken und warum sie sich so verhalten. An der Berufsakademie gab es ein Trainingsseminar, in dem wir praktische Fälle bearbeitet und konkrete Beratungssituationen in Rollenspielen geübt haben.

Was war bisher deine größte Herausforderung?

Bei meiner Arbeit hier bin ich schon ein Stück weit auf mich gestellt. Klar hab ich auch gute Kollegen, mit denen ich mich austauschen kann. Gerade in Konflikten mit Kindern oder in familiären Krisensituationen bin ich auch auf mich alleine gestellt und muss manchmal eher aus dem Bauch heraus reagieren. Ich fühl mich zwar nicht alleine gelassen, aber ich musste mich erst mal an diese Selbständigkeit gewöhnen. Es gibt hier auch mal sehr anstrengende Zeiten, gerade wenn wir Freizeiten vorbereiten und durchführen, ist es stressig. Außerdem finden viele Dinge, insbesondere Gruppenstunden, am Abend statt.

Ohne was geht es nicht?

Ohne starke Nerven geht es nicht. Man muss auch ein gewisses Maß an Kreativität und Durchsetzungsvermögen mitbringen. Sowohl gegenüber den Kindern als auch im Team in der Planungsarbeit. Das musste ich auch erst lernen. Auf jeden Fall darf auch eine ordentliche Portion Spaß an der Arbeit mit Kindern nicht fehlen. Die notwendigen Fachkenntnisse kann man alle an der Berufsakademie erwerben. Wieso hast du diesen Betrieb gewählt? Für mich war dabei mein christlicher Glaube wichtig, den ich gern weitergeben und auf dem ich meine Arbeit gründen wollte, und natürlich eine Einrichtung, wo eine Arbeit mit Kindern möglich ist. Der CVJM hatte beide Dinge geboten und ich hatte vorher durch Freizeiten und andere Aktivitäten den CVJM kennen gelernt und war von dessen Konzept überzeugt.

Wie viele Bewerbungen hast du geschrieben?

Für die Praxisstellen habe ich fünf oder sechs Bewerbungen geschrieben. Ich hatte nur zwei oder drei Absagen. Ich habe gehört, dass es momentan wohl nur sehr wenig Praxisstellen gibt, wobei ich auch nicht genau weiß, woran das liegt.

Dein Bewerbungstipp?

Gut ist sicherlich, wenn man sich vorher mal vorstellt, entweder am Telefon oder man geht tatsächlich mal dort vorbei und meldet sein Interesse an. Ich würde nicht nur eine schriftliche Bewerbung schicken.

Bald steinreich? Wie hoch ist der Monatsverdienst?

Der Monatsverdienst während der Ausbildung ist nicht schlecht. Man kann davon schon ein Zimmer oder eine kleine Wohnung finanzieren. Ob man sich davon noch ein Auto leisten kann, weiß ich nicht, aber hier in Stuttgart kommt man auch mit dem Studententicket mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut überall hin. Reich wird man allerdings nicht. Ich wusste schon von Anfang an, dass der Verdienst nicht mit dem eines Ingenieurs oder Managers mithalten kann, aber das ist im sozialen Bereich einfach so. Stellenmäßig sieht es insbesondere für Männer gut aus, aber auch da muss man räumlich ziemlich flexibel sein.

Und nach dem DH-Studium? Aufstiegschancen?

Ich hab mich jetzt auf einige Stellen schon beworben und hab auch zwei Angebote bekommen. Da ist es jetzt an mir, mich zu entscheiden. Das eine ist wieder eine offene Arbeit mit Kindern in Hamburg. Von der Arbeit her würde es mich sehr interessieren, aber dort hinzuziehen, ist ein größerer Schritt. Die andere Sache ist Kinder- und Jugendarbeit in einer Kirchengemeinde hier in der Nähe. Generell läuft viel über Mund-zu-Mund-Propaganda, d.h. man hört von einer Stelle, die demnächst frei wird und meldet sich dann mal dort. Auf Stellenanzeigen in der Zeitung bewerben sich sehr viele, so dass die Chancen da eher gering sind. Haupttätigkeitsbereiche sind soziale Einrichtungen, Kirchen, Ämter, Altenheime, Kinderheime oder auch Gefängnisse. Es gibt z.T. große Firmen, die Sozialpädagogen einstellen, z.B. DaimlerChrysler, die speziell für Mitarbeiter mit Alkoholproblematik ein sozialpädagogisches Angebot haben. Es gibt auch noch einen weiteren Studiengang, der nennt sich Sozialmanagement. Das ist dann eher Wirtschaft für soziale Einrichtungen.

Steckbrief Sozialpädagoge

Duales Studium: 6 Semester (3 Jahre)  

Tätigkeiten: Hausaufgabenbetreuung, Spielen mit Kindern, Ausflüge und Workshops organisieren/durchführen  

Arbeitsorte: Wohn- und Pflegeheime, Beratungsstellen, Jugendzentren, Bildungsträger, duale Hochschule  

Perspektiven: Aufstiegschancen, Master Sozialpädagogik, Doktor der Sozialpädagogik, Arbeit mit Menschen mit Behinderungen, Erwachsenenbildung, Selbstständigkeit  

Das solltest du mitbringen: Interesse an Menschen, soziale Kompetenz, Kreativität, Durchsetzungsvermögen  

Alternativen: Duales Studium Sozialmanagement, Duales Studium soziale Arbeit

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de