Melanie, 22 Jahre, 3. Ausbildungsjahr als Dipl. Verwaltungswirtin

Traumberuf oder Notlösung?

Für mich ist es schon ein Traumberuf. Am Anfang wusste ich nicht genau, worauf ich mich einlasse, aber jetzt während der Ausbildung habe ich gemerkt, dass es wirklich das Richtige für mich ist.

Was steht bei dir auf dem Studienplan?

Also im Grundstudium stehen Fächer wie Kommunales Wirtschaftsrecht oder Verwaltungsrecht und Staatsrecht aber auch BWL, VWL, Psychologie und Informatik auf dem Stundenplan. Die Theorie an der Fachhochschule und die Praxis beim Ausbildungsbetrieb wechseln sich immer im Jahresrhythmus ab.

Wie sieht dein Tag als Verwaltungsfachangestellte aus?

Das ist sehr unterschiedlich, da man während der Ausbildung immer wieder das Amt wechselt, um später überall einsetzbar zu sein, oder um die Wahl zu haben, sich auf etwas zu spezialisieren. In den jeweiligen Ämtern gibt es dann schon einen eher geregelten Tagesablauf. Im Allgemeinen kann man das so beschreiben: Man kommt morgens in eines der Ämter, bekommt dort seine Aufgabe, führt sie aus und dann gibt es Rücksprache und Besprechung mit den Kollegen. Manchmal arbeitet man auch etwas länger an kleinen Projekten mit. Ein kleines Beispiel: Ich fange so zwischen halb acht und acht Uhr morgens im Verkehrsamt an, um mir dort meine Aufgabe anzusehen. Und dann geht es auch schon los, denn oft gibt es Ortsbesichtigungen. Es geht dabei um Beschwerden von Bürgern in Bezug auf nicht funktionierende Verkehrseinrichtungen. Manchmal kommen die Bürger auch mit vor Ort, um zu zeigen, was sie genau stört. Man bespricht die Lage mit seinen Mitarbeitern und sucht gemeinsam eine Lösung. Bei der Aktion wird ein Protokoll geführt und – zurück im Amt – wird das Ganze bearbeitet und in einer Akte vermerkt. Den Beschluss fällen dann allerdings nicht die Auszubildenden. Zum Schluss wird noch der Bürger per Post über das Ergebnis informiert.

Die größte Überraschung?

Für mich war es sehr überraschend, dass dieser Beruf so flexibel ist. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele verschiedene Bereiche gibt und die Arbeit von Amt zu Amt so unterschiedlich sein kann. Meine Ausbildung ist ja etwas spezieller, da ich ein Studium mache, zu dem zwei Ausbildungsjahre gehören. Ich gebe zu, dass ich mir die Ausbildungszeit viel langweiliger vorgestellt habe, da war ich echt positiv überrascht!

Deine Lieblingsaufgabe?

Da kommt es natürlich auch wieder auf das Amt an, für das man gerade arbeitet. Ich mag vor allem den Kontakt zu Bürgern, zu Unternehmern, also zur Außenwelt. Außentermine finde ich mit am schönsten.

Dein Lieblingsfach in der Fachhochschule?

Ein spezielles Lieblingsfach habe ich eigentlich nicht.

Welche Kröten musst du schlucken?

Richtige Kröten zu schlucken gibt es eigentlich nicht. Es gibt ab und zu Zeiten, zu denen man nicht so viel zu tun hat, und das mag ich nicht so gerne. Beim Studium ist es genau das Gegenteil. Ich bin überrascht, wie umfangreich und schwer es eigentlich ist.

Ohne was geht es nicht?

Die Fachhochschulreife ist natürlich Voraussetzung. Man muss flexibel und aufgeschlossen sein. Und man sollte eine große Freude am menschlichen Kontakt mitbringen.

Wie viele Bewerbungen hast du geschrieben?

Ich musste mich für die Ausbildung beim Regierungspräsidium und bei der Stadt bewerben. Ich habe ungefähr 5 Bewerbungen geschrieben.

Dein Bewerbungstipp?

Vorher ein Praktikum zu machen, ist immer von Vorteil. Dann weiß man schon ein bisschen worum es geht. Ansonsten sollte die Bewerbung ordentlich sein, aber spezielle Tipps habe ich nicht.

Bald steinreich? Wie hoch ist der Monatsverdienst?

Also, im Vergleich schneide ich sicher nicht schlecht ab. Ich studiere und bekomme gleichzeitig ein Gehalt, mit dem ich gut auskomme. Das ist schon eher selten.

Und nach dem Studium?

Ich muss erst einmal sehen, wie es mit meinem Studium läuft. Vielleicht mache ich danach noch ein Aufbaustudium. Ich habe Wahlpflicht Europa und an der Fachhochschule kann man damit ein Masterstudium absolvieren. Ich würde gerne in Freiburg bleiben, auch später zum Arbeiten. Nach dem Studium kann man im Prinzip alle Ämter bekleiden und ist sehr flexibel. Da steigen die Berufschancen enorm. Mir gefallen der Wirtschaftszweig und Europa am besten. Ich war vor kurzem in Karlsruhe auf einer Koordinationsstelle für europäische Zusammenarbeit und das hat mir sehr gefallen.

Steckbrief Diplom Verwaltungswirt/in

Duale Studium: 4 Jahre (2 Jahre Fachpraxis, 2 Jahre Studium)  

Tätigkeiten: Ortsbesichtigungen, Bearbeitung von Beschwerden, Führung und Bearbeitung von Protokollen, Informieren der Bürger  

Arbeitsorte: Ämter, Fachhochschule für öffentliche Verwaltung  

Perspektiven: Tätigkeiten in gehobenen/führenden Positionen öffentlicher Ämter und Institutionen  

Das solltest du mitbringen: Gute Ausdrucksfähigkeit, Spaß an Umgang/Kontakt mit Bürgern, Vertrautheit mit Gesetzen, Flexibilität  

Alternativen: Bürokaufmann/-frau, Verwaltungsfachangestellte/-r, Kaufmann/-frau für Bürokommunikation

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de