Mareike, 2. Ausbildungsjahr als Hebamme

 

Traumberuf oder Notlösung?

Hebamme zu werden war mein absoluter Traumberuf – auf jeden Fall. 

 

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder sind wir im Kreißsaal oder auf der Wochenbettstation eingesetzt. Wenn wir im Kreißsaal sind, dann sieht der Tag immer anders aus. Wenn Frauen mit Wehen oder mit einem Blasensprung kommen, betreuen wir diese natürlich. Dann schauen wir zum Beispiel nach den Herztönen des Kindes und nach den Wehentätigkeiten der Mutter. Falls die Geburt beginnt, gehen wir mit der Mutter in den Kreißsaal und betreuen sie, bis sie ihr Kind bekommt. Auf der Wochenbettstation sind wir nach der Geburt für Mutter und Kind da und schauen, ob alles regelgerecht verläuft. 

 

Die größte Überraschung?

Eines Tages kam eine Frau zur Geburt und erzählte während ihrer Wehen, dass sie sich auf ihr Kind freut und dass es ein Junge wird. Auch den Namen des Jungen hat sie mir verraten. Als das Kind kam, war es für die Mutter eine ganz, ganz große Überraschung, weil es ein Mädchen war und sie fest mit einem Jungen gerechnet hatte. Auch der Vater, der dabei war, war sehr perplex. Aber am Ende konnten wir alle über die Situation lachen und die Eltern haben sich natürlich sehr über ihr Kind gefreut.

 

Deine Lieblingsaufgabe?

Meine Lieblingsaufgabe ist die Beratung der Mütter, denn viele Frauen brauchen ein wenig Hilfe. Wir wickeln gemeinsam ihr Kind, ich zeige ihnen, wie man es halten und tragen kann und vor allem, wie man richtig stillt. Was ebenso viel Spaß macht und eine wirklich ehrenvolle Aufgabe ist, die Frauen bei der Geburt zu betreuen und das Kind mit ihnen gemeinsam auf die Welt zu bringen.  

 

Welche Kröten musst du schlucken?

Im Beruf als Hebamme muss man damit rechnen, am Wochenende und an Feiertagen zu arbeiten. Das ist einer der größten Nachteile, aber wenn man es gerne macht, nimmt man auch das in Kauf. 

 

Ohne was geht es nicht?

Ich habe immer ein Hörrohr in der Tasche. Damit kann man die Herztöne des Kindes abhören. Außerdem eine Schere. Denn manchmal muss es so schnell gehen, wenn bspw. ein Kaiserschnitt eingeleitet werden muss, dass man das Höschen von der Frau zerschneiden muss. Das sind dann meist die Krankenhaushöschen und nicht die eigene Kleidung der Frau. Dann noch ein Klebeband, falls ein venöser Zugang zu locker ist und es noch fester geklebt werden muss. Zudem ist es vielfältig einsetzbar. Deswegen – ohne das geht´s nicht.

 

Wie viele Bewerbungen hast du geschrieben?

Insgesamt waren es ca. 20. Es ist nicht einfach, den Ausbildungsplatz als Hebamme zu erhalten, daher muss man echt hartnäckig sein.

 

Dein Bewerbungstipp?

Ein Praktikum absolvieren. Ganz viele Schulen legen nämlich besonderen Wert darauf, dass die Bewerber bereits Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies im Krankenhaus oder bei einer freiberuflichen Hebamme geschehen ist. So etwas ist immer sehr nützlich in einem Bewerbungsgespräch.   

 

Wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Nach der Ausbildung habe ich vor, mich selbstständig zu machen. Allerdings noch nicht als Vollzeitkraft, sondern in Teilzeit bspw. in einem Krankenhaus. Denn für eine Hebamme ist das eine gute Möglichkeit, ein Standbein als Angestellte in einem Klinikum zu haben und auf der anderen Seite freiberuflich zu arbeiten.

Steckbrief Hebamme/Entbindungshelfer

schulische Ausbildung: 3 Jahre; Bachelor-Studium Hebammenkunde 

Alternativen: Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in , Physiotherapeut/-in 

Arbeitsorte: Krankenhäuser, Hebammenpraxis, Geburtshäuser

Perspektiven: Freiberufliche Tätigkeit, Fachwirt/-in in der Alten- und Krankenpflege, Lehrkraft – Schulen im Gesundheitswesen, Pflegedienstleiter/-in

Besonderes: Wann ein Baby zur Welt kommt, lässt sich nie so genau sagen, deshalb sind Schicht- und Wochenendarbeit sowie Bereitschaftsdienste Alltag in diesem Beruf

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de