Sophie, 2. Ausbildungsjahr als Kinderpflegerin

 

Traumberuf oder Notlösung?

Das ist mein absoluter Traumberuf. Das war es schon, als ich selbst noch Kind war, mit etwa 10/11 Jahren wollte ich schon Erzieherin werden. Ich habe später verschiedene Praktika in Einrichtungen (Kita, Krippe) gemacht und jetzt arbeite ich auch mit älteren Kindern. Es hat mir so gut gefallen, dass ich mir nichts anderes vorstellen konnte. Mir war es wichtig, einen sozialen Beruf auszuüben, aber auch kreativ dabei sein zu dürfen. 

 

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Ich beginne morgens um 9 Uhr, verschaffe mir zunächst einen Überblick und schaue, wo meine Hilfe gebraucht wird und wie ich die Kinder mit Ideen unterstützen kann. Etwa im Sprachraum mit Vorlesen oder im Atelier beim Malen und Basteln. Um 11 Uhr gehen wir raus und um halb 12 gibt es Mittagessen. Nach dem Essen helfe ich unseren FSJ-Praktikanten beim Aufräumen und Putzen. Danach setzen wir uns in einen Stuhlkreis, singen Lieder, spielen oder feiern einen Geburtstag. Anschließend entscheidet jedes Kind, in welchem Bereich (Werkbank, Küche, Basteltisch, Musikzimmer) es sich beschäftigen möchte, und wir unterstützen es dabei. Um 16 Uhr endet mein Tag. 

 

Die größte Überraschung?

Viele denken, dass wir nur mit Kindern spielen, aber wie viel Arbeit dahinter steckt, wissen nur wenige. Es hören auch Auszubildende in diesem Bereich auf, weil es ihnen zu viel wird. Wenn die Kinder gegangen sind, muss man meist noch bestimmte Sachen vorbereiten oder es steht ein Elterngespräch an. Das war zwar eine Überraschung, aber letztendlich war es eine positive. Es ist nämlich sehr schön, wenn man berichten kann, dass ein Kind etwas Neues gelernt oder eine neue Erfahrung gemacht hat. 

 

Deine Lieblingsaufgabe?

Zurzeit finde ich es sehr schön, wenn mir allein ein Bereich zugetraut wird. Zum Beispiel das Atelier, das ich eigenverantwortlich leite und darin vier bis fünf Kinder betreue. 

 

Welche Kröten musst du schlucken?

Ich bin jetzt im Anerkennungsjahr und hatte davor eine ausschließlich schulische Ausbildung. Und in der Praxis merke ich manchmal, dass einige Tage ziemlich anstrengend sein können und man danach ein Wochenende dringend benötigt. Aber man gewöhnt sich relativ schnell dran. 

 

Ohne was geht es nicht?

Stress aushalten können und ganz viel Einfühlungsvermögen. Denn man sollte verstehen können, warum ein Kind weint oder traurig ist. Man sollte auch Kinder so akzeptieren, wie sie sind, und ihnen in jeder Situation entsprechend helfen können. Ein Kind kann bspw. besonders schüchtern sein, das andere hingegen aggressiv. 

 

Wie viele Bewerbungen hast du geschrieben?

Für das Anerkennungsjahr hab ich etwa 10 Bewerbungen geschrieben. 

 

Dein Bewerbungstipp?

Vor allem im Kindergarten-Bereich sollte man sich gut vorbereiten. Man kann bspw. im Internet nachlesen, welches Konzept oder Programm der Kindergarten besitzt, bei dem man sich bewerben möchte. Und zur Kleidung: Im Kindergarten muss man sich zum Bewerbungsgespräch nicht so fein herausputzen. Man sollte locker und natürlich sein, sich nicht verstellen, seine Stärken und seine Schwächen kennen und diese auch gut wiedergeben können. 

 

Wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Es steht noch nicht ganz fest. Ich habe ein Angebot von einem Kindergarten erhalten, in dem ich mein erstes Ausbildungsjahr absolviert habe. Was ich auf jeden Fall auch noch machen möchte, ist die Ausbildung zur Erzieherin. Es ist zwar im Prinzip der gleiche Job, aber man verdient einiges mehr, kann die Gruppe leiten und hat mehr Fortbildungsmöglichkeiten. Das würde ich dann gerne innerhalb zwei oder drei Jahren berufsbegleitend machen.  

Steckbrief Kinderpfleger/-in

schulische Ausbildung + Anerkennungsjahr: 2 bis 3 Jahre

Alternativen: Erzieher/-in, Heilerziehungspfleger/-in 

Arbeitsorte: Kindergärten und -tagesstätten, Kinder- und Jugendwohnheime, Erziehungs- und Familienberatungsstellen, Jugendzentren 

Perspektiven: Erzieher/-in oder Heilerziehungspfleger/-in, Fachwirt/-in für Erziehungswesen 

Besonderes: Kinder gern zu haben, reicht alleine noch nicht, aber es hilft! Daneben auch Geduld, Einfühlungsvermögen und Flexibilität. 

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de