Sabrina, 22 Jahre, 3. Lehrjahr als Tierpflegerin

Traumberuf oder Notlösung?

So was zwischendrin. Ich wollte ursprünglich Tiermedizin studieren, habe aber nach dem Abitur nicht sofort einen Studienplatz bekommen. Das hier hat sich zufällig ergeben: Die Stelle wurde neu eingerichtet und ich habe zum richtigen Zeitpunkt angerufen, als sie noch nicht ausgeschrieben war.

Wie sieht dein Tag als Tierpflegerin aus?

Die Hauptarbeit ist reinigen. Vormittags wird das komplette Tiergehege mit seinen Koppeln und Ställen sauber gemacht, da um diese Zeit noch nicht so viel Betrieb ist und wir besser mit den Maschinen übers Gelände fahren können. Oder wir gehen füttern. Beim Füttern wird morgens eine große Runde durchs ganze Gehege gemacht und zugefüttert. Nachmittags gibt es noch mal eine kleine Runde, bei der im Sommer eine Führung dabei ist, die wir auch geben müssen. Ansonsten sind nachmittags unterschiedliche Sachen zu tun: zum Beispiel werden dann die großen Ställe gemistet oder Klauenbehandlungen bei Schafen und Ziegen stehen an.

Die größte Überraschung?

Ich war am Anfang relativ skeptisch, habe aber mit der Zeit gemerkt, dass mir die Arbeit Spaß macht. Ob das an etwas bestimmten lag weiß ich nicht – vielleicht daran, dass die Leute alle sehr nett sind. Aber ein Schlüsselerlebnis gab es bei mir nicht.

Deine Lieblingsaufgabe?

Das ist schwer zu sagen. Im Winter macht man andere Sachen lieber, als im Sommer. Da schaue ich, dass ich mehr im Warmen bin und gehe lieber füttern. Im Sommer bin ich dafür gerne draußen. Was Spaß macht sind Sachen, die ungewöhnlicher sind und nicht ständig anfallen, wie zum Beispiel die Klauenbehandlung.

Welche Kröten musst du schlucken?

Viele sehen nicht, dass die Hauptarbeit wie gesagt reinigen ist. Wir haben öfters Praktikantinnen, die denken, sie können den ganzen Tag Tiere streicheln. So ist das eben nicht! Wenn wir wirklich etwas mit den Tieren machen, dann in unserer Freizeit. Außerdem ist die Arbeit körperlich anstrengend, gerade wenn man schwere Säcke schleppen oder misten muss. Was ich gar nicht mag ist, wenn ich bei superschlechtem Wetter im Winter um sieben hier stehen muss. Ich bin nämlich nicht der Frühaufsteher-Typ.

Ohne was geht es nicht?

Die schulische Voraussetzung wird vom Betrieb festgelegt, aber ganz generell kann man den Beruf mit Hauptschul-Abschluss erlernen. Der Führerschein hat mir geholfen. Im übrigen sollte man nicht zu empfindlich sein, denn man muss anpacken, und die Arbeit ist nicht immer nasenfreundlich! Natürlich muss man Interesse an den Tieren haben und gut beobachten können, damit man erkennt, wenn mit ihnen etwas nicht stimmt. Man sollte teamfähig und nicht eigenbrödlerisch sein, weil die Tiere nicht immer ungefährlich sind und man sich auf seine Kollegen verlassen können muss und umgekehrt.

Wie viele Bewerbungen hast du geschrieben?

Eine – ich hatte wie gesagt Glück! Aber generell ist es besonders in der Fachrichtung Zootierpflege schwierig, Stellen zu bekommen. In der Versuchstierpflege, die nicht so gefragt ist, gibt es dagegen Stellen ohne Ende.

Dein Bewerbungstipp?

Wirklich überall bewerben und sehr mobil sein.

Bald steinreich? Wie hoch ist der Monatsverdienst?

Nicht wirklich. Das Gehalt ist davon abhängig, ob der Betrieb privat oder städtisch ist. Mein Betrieb ist städtisch, da wird man besser bezahlt als in einem kleinen privaten, aber wirklich viel verdient man nicht. Man muss eben ein wenig Idealismus mitbringen.

Und nach der Ausbildung?

Ich hoffe auf einen Studienplatz und würde gerne Biologie studieren, um dann in Richtung Zoologie zu gehen.

Steckbrief Tierpfleger

Duale Ausbildung: 3 Jahre  

Tätigkeiten: Versorgung und Betreuung von abgegebenen, ausgesetzten, verletzen oder hilflosen Tieren (bei krankheitsbedingter oder urlaubsbedingter Abwesenheit auch in Tierpensionen)  

Arbeitsorte: Tierheimen, Tierpensionen, Tierkliniken, Berufsschule  

Perspektiven: Tierpflegemeister/-in, Spezialisierungen, Studium, Selbstständigkeit  

Das solltest du mitbringen: keine Allergien die einen einschränken, gutes Händchen für Tiere, Aufmerksamkeit, Verantwortungsbewusstsein, Spaß an aktiver Arbeit im Freien, bereit sein nachts oder am Wochenende zu arbeiten  

Alternativen: Medizinische/-r Fachangestellte/-r, Heilerziehungspfleger/-in, Pferdewirt/-in

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de